Seltsam

Hierzulande ist manches seltsam. Das Wetter, das Verhalten von Politikern oder dass man immer an der falschen Kasse ansteht. Und manchmal auch unsere Sprache. Ein verwundertes Kopfkratzen lösen bei mir zum Beispiel oft Ortsnamen aus. Ortsnamen wie Weiterstadt oder Neindorf. Da fragt man sich ja schon, wie diese Namen entstanden sind. Wie schrecklich muss ein Landstrich sein, dass man ihn Hassloch nennt? Und gibt es wirklich geile Kirchen in Geilenkirchen?
Im Vergleich dazu wirft der Name der Stadt, in der ich aufgewachsen bin – Leverkusen – wenige Fragen auf und ist geradezu langweilig normal. Zu lang dafür, zu unmelodisch, unansehnlich irgendwie und wenig attraktiv, was Klang und Reimfähigkeit betrifft (genauer betrachtet also eine absolut treffende Benennung), aber seltsam ist an dieser Stadt nicht der Name. Seltsam ist der Geschmack seiner Einwohner. Und damit meine ich ausnahmsweise nicht das, nun, sagen wir, eigenwillige Stadtbild. Damit meine ich die seltsame Vorliebe der Leverkusener für Wortspiele (ein Paradies für Friseure, könnte man sagen). Als vor vielen, vielen Monden der Komplettumbau eines städtischen Schwimmbads anstand, wurden die Bürger gebeten, Namensvorschläge für das neue Nassparadies einzureichen. Tja, seitdem heißt das Bad CaLEVornia. Ich kommentiere das lieber nicht weiter. Und nein, das war kein einmaliger Ausrutscher. Jahre später wurde eine neu mit Geschäften und Cafés gestaltete Brücke in der Innenstadt Rialto BouLEVard getauft. Bleibt nur zu hoffen, dass damit das Potenzial für ähnlich kreative Ergüsse mit dem Kürzel LEV erschöpft ist.

Es geht aber noch viel seltsamer. Das Seltsamste, das ich in meinem Leben bisher je gehört habe, war ein Satz, den eine Frau in einem kleinen Drogeriemarkt irgendwo in den Weiten Berlins von der anderen Kasse in meine Richtung herüberrief. „Ich sammle tote Ameisen!“, rief sie. Ah ja. Ich weiß noch, wie ich auf das soeben gekaufte Ameisengift in meiner Hand hinabblickte, und wie sie dann, herübereilend, in einer vollkommen unnötigen Ausführlichkeit erläuterte, dass sie Schmuck aus toten Ameisen herstelle. Und fragte, ob ich ihr nicht welche schicken könne. „Klar“, sagte ich. Habe ich dann aber doch nicht gemacht. Ganz ehrlich, das war mir einfach doch zu …. seltsam.

 

 

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Wie unpassend!

Gestern musste ich mich wirklich wundern. Da ging ich spazieren und bog in eine Straße ein, die sich lange, meiner Meinung nach sogar sehr lange (als es zu regnen anfing eindeutig viel zu lange) einen Berg hinaufwand. Während ich mir also vorstellte, einer Bergziege gleich behände und ganz ohne Ächzen und Stöhnen die langgestreckte Anhöhe zu erklimmen und dabei versuchte, mich weder von meinen brennenden Oberschenkeln noch von meinem lauten Japsen und Schnaufen ablenken zu lassen, erblickte ich zu meiner Rechten plötzlich ein Straßenschild. Und blieb ob dieses Anblicks verdattert stehen. Flachstraße las ich da. Wie unpassend! Diese Straße war alles – lang, sehr lang, viel zu lang sogar, gewunden, steil, bergig – alles, aber nicht flach. Stadtplaner hatten wohl doch mehr Humor als ich dachte … Kopfschüttelnd und die lautstarken Einwände meiner Lunge und Beinmuskeln geflissentlich ignorierend nahm ich meinen Weg wieder auf und kletterte weiter hoch, bis zu einer Abbiegung, an der es in ein kleines Sträßchen mit dem sinnigen Namen Am Hang ging. Die Sektlaune der Stadtplaner hatte wohl ihr Ende gefunden.

Doch eigentlich gibt es sie doch immer wieder, diese Momente, in denen man denkt: „Nanu, wer bitte hat sich denn diesen Namen ausgedacht?“. Ich erlebe sie oft auf der Autobahn, wenn ich an Raststätten wie Schauinsland West oder Viehwald vorbeikomme und Abfahrtsschilder Orte wie Oed, Leer, Neindorf oder Weiterstadt ankündigen. Da kann man schon mal ins Grübeln geraten, was zur Entstehung dieser Namen geführt haben mag. Wie verdient sie sind. Und ob man sich wohl je daran gewöhnen kann, in einer Gemeinde zu leben, die Streit, Haßloch, Galgen, Geilenkirchen oder Wixhausen heißt. In meinem Heimatort gibt es einen Stadtteil mit dem Namen Fettehenne. Auch nicht schön. Wie passend der Name ist, dazu möchte ich jetzt lieber nichts sagen.
Dann doch lieber ab ins Allgäu nach Lachen, ins bayerische Feiern oder ins bergische Land nach Witzhelden.

Wie passend oder unpassend ein Name ist, ist im Grunde natürlich völlig subjektiv. Als ich das letzte Mal durch Österreich fuhr, sah ich Werbung für ein Modeunternehmen, das sich Fussl nennt. (Ein Blick aufs Impressum verrät seinen Sitz: Am Fusslplatz 26-32.) Da wünscht man sich wohl kaum, dass die Kunden „wie passend“ denken … Wenn ich ein Modeunternehmen hätte, würde ich es ja (selbst wenn es in Oberhäslich ansässig wäre) eher Edel & Elegant statt Fussl nennen, aber was weiß ich schon? Ich würde ja auch lieber in Lachen oder Feiern wohnen als in Fettehenne oder Wixhausen.

In diesem Sinne: Ob Sie in Lederhose, Kaffeekanne, Elend oder Luschendorf wohnen – machen Sie das Beste draus!