Ungarisch für Anfänger und Verzweifelte, Teil 3: Lang, länger, am längsten

Ungarisch gehört zu den agglutinierenden Sprachen. So nennt die Linguistik Sprachen, die „die grammatischen Funktionen durch das Anfügen von Affixen an den Wortstamm ausdrücken“ (Duden). Im Klartext: Aus kleinen, unschuldigen Wörtchen werden im Laufe ihres grammatischen Lebens immer längere und längere Gebilde, bis irgendwann wahre Wortungetüme entstehen. Personalpronomen, Possessivpronomen, Präpositionen – alles wird einfach hinten angehängt.

Zunächst ein harmloses Beispiel, um Ihnen das Prinzip zu verdeutlichen:

ház heißt Haus
házám heißt mein Haus
házáim heißt meine Häuser
házaimban heißt in meinen Häusern

Das sieht doch gar nicht so schlimm aus, werden Sie sagen. Stimmt, schafft man noch. Aber es gibt viel, viel schlimmere Beispiele. Vor allem, wenn Komposita ins Spiel kommen. Wollen Sie mal sehen? Kein Problem!
Hier kommt also schlimmes Beispiel Nummer 1:

köszönet heißt Dank
köszönni heißt danken
köszönetnyilvánítás heißt Danksagung/Dankesbezeigung
köszönetnyilvánításotokként heißt als Dankesbezeigung von euch

Und gleich noch schlimmes Beispiel Nummer 2:

közlekedés heißt Verkehr
biztonság
heißt Sicherheit
közlekedésbiztonság heißt Verkehrssicherheit
Beszéljünk a közlekedésbiztonságotokról! heißt Sprechen wir von eurer Verkehrssicherheit!

Und weil aller schlimmen Dinge drei sind, hier schließlich schlimmes Beispiel Nummer 3:

labda heißt Ball
labdarúgás heißt Fußball
labdarúgó-válogatott heißt Fußballauswahl
a labdarúgó-válogatottotokként heißt als eure Fußballauswahl

Selbstredend ist das alles eine Frage der Perspektive. Der wunderbare Mann an meiner Seite findet das gar nicht schlimm. Seine komplette Familie auch nicht. Sie alle jonglieren fröhlich mit Pronomen, Fällen und anderen grammatischen Finessen umher. Und nein, es handelt sich nicht um eine Horde von Inselbegabten – die einzigen, denen ich das ansonsten noch zutrauen würde. Sie sind schlicht und ergreifend Muttersprachler.

Ist das nicht einfach unvergleichlich, also összehasonlíthatatlan (das ist gesprochen noch viel lustiger, in etwa: ‚össehoschoonliehottottlonn)?

Also, ich bleibe am labda und sammele weitere Erkenntnisse zu dieser gyönyörű Sprache (siehe Teil 1).
Bis bald, liebe Leser – bzw. hamarosan találkozunk, tisztelt olvasók!

 

 

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2 Kommentare zu “Ungarisch für Anfänger und Verzweifelte, Teil 3: Lang, länger, am längsten

  1. Au weia, ich habe einen Knoten in den Augen. Nicht, dass ich Türkisch könnte, aber da ist es glaube ich auch so. Aber beim Türkischen weiß ich von meinen Freundinnen, dass es sehr logisch aufgebaut ist, weil es eine konstruierte Sprache ist. Angeblich ist es dadurch leicht zu lernen.

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